Geschichte St. Medard

  • Übersicht Bau und Kulturgeschichte - Zeittafel

    1204Bestätigung des Baues einer romanischen Kapelle durch Erzbischof Johann von Trier   (Baubeginn um 1200)
    1230/40 Doppelkapellenanbau im Westen (capella beatae mariae virginis, im Volksmund            „Reichardsmünster“ genannt)
    1562 Begin der konfessionellen Auseinandersetzungen; die Kirche wechselt mehrfach zwischen den Anhängern der Reformation und den Katholiken
    1662 Lutheraner erhalten die Medarduskirche; die zahlenmäßig achtmal so große katholische Gemeinde muss sich mit dem Reichardsmünster zufrieden geben; weiterhin Streitigkeiten
    1790Erweiterung des ‚katholischen’ Reichardsmünster um den „Saalbau“
    1872In zwei Bauabschnitten wird um den Saalbau durch Johann Nebel eine ‚neue’ Kirche gebaut (Saalbau = Hauptschiff, erweitert durch Seitenschiffe, Vierung und Apsis im neoromanischen Stil)
    1944Zerstörung des romanischen Teiles (evangelische Kirche)
    1953 Neubau der evangelischen Kirch unter Einbeziehung der romanischen Apsis jedoch nicht als Altarraum
    1995Innenraumsanierung der evangelischen Kirche; Altara wieder in der Apsis
    1995 Beginn der Renovierungsarbeiten in der katholischen Kirche in verschiedenen Bauabschnitten
    2008Ostern 2008 konnte die Gemeinde die restaurierte Kirche in einem feierlichen Gottesdienst wieder beziehen. Die Umgestaltung des Altarraumes, in der die liturgischen Orte einen neuen würdigen Rahmen erhalten sollen, ist nochgeplant
    2008 Orgelweihe der restaurierten und erweiterten Klais-Orgel von 1930

Die Medarduskirche

Ein Besucher, der zum ersten Mal in Bendorf weilt und den Gebäudekomplex rund um den Kirchturm sieht, käme nicht auf den Gedanken, dass es sich hierbei um die Gotteshäuser von zwei verschiedenen Religionsgemeinschaften handeln könnte. Und doch stehen hier die evangelische und die katholische Kirche Wand an Wand  beide Glaubensgemeinschaften benutzen zum Läuten dieselben Glocken, die wie der Kirchturm im Besitz der Stadt Bendorf sind. Diese eigenartige und wohl auch einmalige Tatsache hat natürlich ihre Geschichte.

Die älteste bekannte Urkunde, in der in Bendorf eine Kirche erwähnt wird, stammt aus dem Jahre 1204. Hier ist die Rede von dem Bau einer Kirche in Bendorf und der Loslösung von der Mutterkirche in Engers.

Doch lebten schon vor dieser Zeit Christen in Bendorf, die wohl ein Gotteshaus besaßen. Das Verbindungsstück zwischen jetziger evangelischer (der ehemaligen Medarduskirche) und katholischer Kirche, das sogenannte Reichardsmünster, war beim Bau der Kirche im Jahre 1204 eine Ruine und wurde zum Teil in den neuen Baukörper mit einbezogen. Nach Fertigstellung der Kirche wurde es dann etwa 1234 fertig gebaut. Nach welchem Plan die ehemalige Kirche errichtet wurde, ist nicht bekannt. Es war jedenfalls zu dem vorhandenen Südturm ein zweiter auf der Nordseite geplant, der auch bis zum ersten Stockwerk errichtet war und bis zum 31. Dezember 1944 der evangelischen Gemeinde als Sakristei diente.

Im Jahre 1561 schloss sich der Graf von Sayn der Reformation an.

Nach vielen Wirrungen gelangte die lutherische Gemeinde im Westfälischen Frieden in den Besitz der großen Kirche, während den Katholiken das angrenzende  Reichardsmünster zugesprochen wurde. Dieses kleine Gotteshaus reichte der katholischen Gemeinde nicht aus. Zu dieser Zeit lebten in Bendorf zwölf evangelische und 100 katholische Familien.

Im Jahre 1790 wurde das Reichardsmünster durch einen Anbau erweitert. Die Mauer zwischen den beiden Türmchen wurde herausgebrochen und der Gottesdienstraum um den Bereich des jetzigen Mittelschiffes vergrößert. Doch auch diese im Jahre 1793 eingeweihte Kirche war bald wieder zu klein.  

Die aufblühende Industrie lockte viele Menschen nach Bendorf. Auch der Einzug einer Decke für ein sogenanntes Mannhaus, die jetzige Orgelbühne, schaffte kaum Abhilfe. So wurde im Jahre 1864 unter dem damaligen Pastor Dr. Karl Fries mit dem Ausbau der jetzigen Kirche begonnen. Unter dem bekannten Baumeister Nebel aus Koblenz entstanden zuerst ein neues Querschiff und der Chorraum, anschließend das Mittel- und die Seitenschiffe. Am 5. Mai 1872 wurde die heutige Medarduskirche konsekriert. Das Grab von Pastor Karl Fries befindet sich an der Ostseite der Kirche, zur Hauptstraße hin.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche beschädigt. Das Mauerwerk blieb jedoch stehen. Unter Pastor Leo Capitain wurde die Kirche nach und nach renoviert. Eine Restaurierung der Fenster war nicht möglich. Durch Stiftungen wurden die neuen Fenster finanziert. Die Fenster der Seitenschiffe stellen Begebenheiten aus dem Leben des hl. Medardus dar. Die Fenster der Querschiffe zeigen Motive aus dem Neuen, die der Apsis Motive aus dem Alten Testament.

Die evangelische Kirche wurde im zweiten Weltkrieg zu einem großen Teil zerbombt (31.12.1944). Die Kirche wurde abgebrochen und Anfang der 50er Jahre die heutige erbaut. Lediglich der Ostchor mit dem Chorbild der alten Kirche und dem Sakramentshäuschen und die Taufkapelle an der Wand zum Reichardsmünster (unter der Orgelbühne der kath. Kirche) wurden mit in den Neubau einbezogen.
Nach dem 2. Vatikanischen Konzil wurde der Chorraum völlig neu gestaltet. Der alte Hochaltar wurde abgebrochen und der gesamte Altarraum um eine Stufe höher gelegt sowie weiter in die Gemeinde vorgezogen.  Der neue Altar aus Tischplatten und Säulchen der neugotischen Seitenaltäre wurde in den Kirchenraum hineingerückt und in der Achse der beiden Querhäuser platziert. Das Mitte der 1950-iger Jahre von den Laacher Werkstätten gemalte Chorbild mit dem thronenden Christus und den 12 Aposteln wurde entfernt. Das alte Altarkreuz wurde in die Mitte des nüchtern weiß gestrichenen Chorraums gehängt.

Eine weitere umfangreiche Renovierung und Sanierung der Pfarrkirche begann 1995 und setzt sich bis heute fort. 1995 wurde eine neue Heizung eingebaut. 1997 bis 2000 erfolgte eine umfassende Außenrenovierung in mehreren Bauabschnitten. Die zur Hauptstraße hin gelegene kleine Eingangshalle wurde abgerissen, um den Bereich  vor dem Osteingang besser zu gestalten. Es folgten Ausbesserungen und Reparaturen des maroden Mauerwerks und des Kirchendaches. Das Querhaus und der Chorraum erhielten dabei ein neues Schieferdach.

Nach Beendigung der Außensanierung wurde die Innensanierung in Angriff genommen. Da die finanziellen Möglichkeiten der Kirchengemeinde durch die bereits erfolgten Maßnahmen und weitere Baumaßnahmen am Kindergarten und am Pfarrhaus weitgehend erschöpft waren, wurde der Förderkreis St. Medard Bendorf gegründet, um die für die Sanierung und Renovierung des Kircheninnern notwendigen Finanzmittel zu erschließen.

Auch die Innensanierung wurde in mehreren Bauabschnitten ausgeführt.

Um die Apsis wieder in ihren früheren Zustand zurückzuführen und damit die ursprüngliche Gliederung wiederherzustellen, wurde im Rahmen der um die Jahrtausendwende begonnenen Innensanierung der Kirche die in den 1950-er Jahren erfolgte flächenbündige Aufmauerung zwischen den Lisenen im Chorraum wieder entfernt. Hierbei fand man 2003 die gut erhaltenen Nazarener-Malereien, die um 1900 entstanden sind.  Diese Malereien wurden zwischenzeitlich restauriert und sind heute in der Apsis zu sehen. Auch die Ausmalung des Hauptkirchenraumes ist zwischenzeitlich abgeschlossen. Die Gemeinde konnte die restaurierte Kirche Ostern 2008 in einem feierlichen Gottesdienst wieder beziehen. Während der länger andauernden Baumaßnahmen hatten uns die evangelischen Glaubensbrüder – wie schon häufiger zuvor – freundlicherweise ihre Kirche für die Gottesdienste zur Verfügung gestellt.

Seitenaltäre

Neue   Sandsteinsockel für die Seitenaltäre wurden erstellt, die während der Innenrenovierung ausgelagerten Seitenaltäre wurden gegen den Holzwurmbefall thermisch behandelt und konnten mit Hilfe einiger freiwilliger Helfer wieder aufgebaut werden, so dass die Restauration durchgeführt werden konnte.

Reichardsmünster (ältester Teil unserer Kirche)

  • Die Tafeln zum Gedenken an die Verstorbenen der beiden Weltkriege haben einen neuen, würdigen Platz an der Außenseite unserer Kirche zum Kirchplatz hin gefunden.
  • Der übergroße Altar im Reichardsmünster, der nicht zum  Charakter der Kapelle  passte, wurde abgebaut und für eine spätere andere Verwendung ausgelagert.
  • Teilweise wurden unter dem Putz der Kapelle Fragmente alter Malereien, die wohl noch aus der Bauzeit stammen, gefunden. Hier haben weitere Untersuchungen stattgefunden, mit Unterstützung der kirchlichen Denkmalbehörde wurden diese Malereien gesichert und erhalten.
  • Feuchtigkeitsschäden wurden behoben und teilweise wurde neuer Putz aufgebracht.

Altarraum

Die Umgestaltung des Altarraumes, bei der die liturgischen Orte einen neuen würdigen Rahmen erhalten sollen,  wird  die nächste Aufgabe sein.