Aus der Geschichte und Gegenwart der katholischen Pfarrgemeinde Clemens-Maria-Hofbauer

  • Entstehung der Gemeinde Mülhofen

    Wie Mülhofen zu seinem Namen kam

    Der Ortsname Mülhofen ist von „Mühle“ abgeleitet, obwohl nach dem „ü“ kein „h“ folgt. Noch 1882 wird im Protokollbuch des Gemeinderates Engers „Mühlhofen“ mit „h“ geschrieben, ein Jahr später ohne „h“. Allgemein werden zwei Mühlen, die in einer Urkunde des Grafen Heinrich III. von Sayn aus dem Jahre 1232 als am Saynbach gelegen genannt werden, im heutigen Mülhofen vermutet. Im 19. Jahrhundert werden die Einwohner einmal Mülhofener, ein anderes Mal Mülhöfer genannt. Man nahm es also nicht immer so genau. Hans Joachim Halbekann, der Verfasser des Buches „Die älteren Grafen von Sayn“, meint, auch der so genannte  saynsche Hof der Grafen von Sayn habe im Bereich von Mülhofen gelegen.

    Mülhofen Teil der Gemeinde Sayn und der Pfarrei Engers

    Wie auch immer, es steht fest, dass Mülhofen über die Jahrhunderte zur Gemeinde Sayn, aber zur Kirchengemeinde Engers gehörte. Erst als der Wohnplatz Mülhofen durch Industrieansiedlung größer wurde und nicht mehr nur eine Handvoll Menschen, sondern einige hundert dort wohnten, machte man sich über die kirchliche Zugehörigkeit ernsthaft Gedanken. Am 5. November 1829 schreibt das Bischöfliche Generalvikariat Trier an Pfarrer Neumann, Engers: „Nach einem uns von der Königlichen Regierung zu Coblenz zugekommenen Schreiben vom 31. vorigen Monats trägt die Gemeinde Mühlhofen, welche zu Ihrem Pfarrsprengel gehört, wiederholt und dringend darauf an, von dem Pfarr- und Schulverband Engers getrennt und mit Sayn geeinigt zu werden.“ Weiter heißt es: „Die Gemeinde Mühlhofen ist bereits in bürgerlicher Beziehung mit der Gemeinde Sayn verbunden.“

  • Eine Kirche für die Gemeinde Mülhofen

    Eine eigene Kirche für Mülhofen?

    Am 17. Dezember des gleichen Jahres schreibt Generalvikar Günther an Pfarrer Neumann, „die gesammte Einwohnerschaft der Gemeinde Mühlhofen“ – dies waren 96 Personen - habe  der Königlichen Regierung am 18.November 1829 mitgeteilt, dass sie in dem bisherigen Kirchen-, Pfarr- und Schulverbande mit der Gemeinde Engers  zu bleiben wünsche.Die Regierung gibt darauf den definitiven Bescheid, dass an den bestehenden Verhältnissen „vor der Hand“ nichts geändert werden solle und „der Gegenstand vorläufig als erledigt zu betrachten“ sei.

    Ein Jahr später liegt ein gegenteiliger Antrag von Mülhofen vor. Der Generalvikar schreibt daraufhin am 19. November 1830 an den Pfarrer von Engers: „So muss der erneute Antrag auf Trennung dieser Gemeinde von Engers in etwa verdächtig vorkommen.“ Pfarrer Neumann soll in behutsamer Weise nach den Ursachen des erneuten Gesinnungswandels forschen. – Es waren finanzielle Gründe: Mülhofen sollte sich an den Kosten für die Engerser Kirche und die Pfarrerbesoldung sowie für die Schule beteiligen. Es war sicher bekannt, dass diese in der Patronatspfarrei Sayn niedriger waren. Mülhofen musste schon die Gemeindesteuern nach Sayn zahlen. Engers stellte noch Nachforderungen für die Zeit seit 1803 in Höhe von 333 Reichstalern und 10 Silbergroschen, und da Mülhofen nicht zahlen wollte, drohte Engers sogar damit, die Mülhofener vom Besuch der Kirche auszuschließen. Die bischöfliche Behörde musste dagegen einschreiten. Inzwischen hatte man eine Urkunde von 1741 gefunden, in der es heißt, dass Mülhofen keine Kirchenlasten für Engers bezahlen müsse, da die Einwohner „als Mitbürger von Sayn“ dort schon zu allen Lasten herangezogen würden.

    Sayn lässt aber (am 9. Januar 1846) einen Betrag für Schreibmaterialien und Bücher für arme Schulkinder aus Mülhofen nach Engers überweisen. Mülhofen bleibt kirchlicherseits bei Engers. Bis 1876 finden wir keine neuen Initiativen; dann aber meldet sich Engers und fordert Beteiligung an den Kosten für Kirche, Schule und Friedhof.

    1889 wird zum ersten Mal von der Absicht gesprochen, in Mülhofen eine eigene Kirche oder Kapelle zu bauen. Trier stimmt wegen der stark gestiegenen Einwohnerzahl (972 Katholiken) zu und schlägt vor, die alljährlich von Familie Lossen für fromme Zwecke gespendeten Beträge für eine zu planende Kirche zu verwenden.

    Ein langer Weg bis zur Verwirklichung, aber zuerst mit einer Notkirche

    Ohne nähere Erläuterungen über die Vorgeschichte finden wir 1907 einen Entwurf für eine Kirche. 1923 wird außerdem ein Vorentwurf für den Bau eines Gemeindehauses der katholischen Filialkirche Mülhofen vorgelegt. Der Preis wird mit 465 Millionen Mark angegeben, davon 235 für Arbeitslohn, 230 Millionen für Baustoffe. Die Inflation macht alle Pläne zunichte; alle gesammelten Gelder sind wertlos.

    1929 – Mülhofen hat nun ca. 1400 Katholiken – findet im Saal der Gastwirtschaft Schneider eine Versammlung statt, die den Neubau einer Kirche und die Gründung einer eigenen Pfarrgemeinde fordert. Ein Kirchbauverein wird gegründet. Besondere Probleme bereitet das Finden eines geeigneten Bauplatzes.

    Der 2. Weltkrieg verhindert die Realisierung des Vorhabens, aber man versucht eine kleine Lösung. Am 22. November 1941, also mitten im Krieg, erfolgt die Errichtung einer „Expositur zum heiligen Clemens Maria Hofbauer zu Bendorf-Mülhofen in der Pfarrei zum heiligen Martin in Engers“. Eine Expositur ist eine Außenstelle einer Pfarrei, die in der Regel von einem Kaplan betreut wird. Dies war im Falle von Mülhofen Kaplan Wilhelm Mohr (geweiht am 9. März 1940, vom 12. August 1940 an Kaplan zu Sankt Medard Bendorf). Am 24. November 1941 wurde er mit der Stelle in Mülhofen beauftragt, am 15. März 1946 dort Vikar. Am 1. August 1947 ging Kaplan Mohr als Religionslehrer nach Bernkastel-Kues.

  • Die Notkirche der Gemeinde Mülhofen

    Als Gottesdienstraum diente von 1941 bis 1945 die ehemalige Backstube der Bäckerei Bernhard Scherer. Ein Inventarverzeichnis aus dem Jahre 1942 zeigt, dass die Pfarrei Engers ihre Mülhofener Filiale mit allem Notwendigen ausgerüstet hat.

    Von 1945 bis 1954 war die Turnhalle am Schulenberg „Notkirche“. Am 15. März 1946 erhob Bischof Franz-Rudolf Bornewasser die Expositur zur Vikarie; dies war ein weiterer Schritt auf dem Wege zur selbständigen Pfarrei.

    Die Vermögensverwaltung geschah immer noch durch die Kirchengemeinde Engers, doch waren nun für die Vikarie eigene Voranschläge im Haushaltsplan und eigene Rechnung zu führen.

    Mit Urkunde vom 21. März 1951 erhob Bischof Franz-Rudolf Bornewasser die Vikarie zur Kirchengemeinde, also zu einer selbständigen Pfarrei.

    Am 18. August 1947 wurde der Kaplan von Heimbach-Weis, Hermann Scherer, als Nachfolger von Wilhelm Mohr Vikar von Mülhofen; und am 8. Januar 1952 ernannte ihn der Bischof zum Pfarrverwalter.

    Foto: Die „Notkirche“, die ehemalige Turnhalle am Schulenberg, am 25. Juli 1954, dem Tage des Umzugs in die neue Kirche

  • Eine selbständige Pfarrei - Bau der heutigen Kirche

    Eine selbständige Pfarrei

    Der 2. Weltkrieg und die Währungsreform (1948) machten zum zweiten Male die vom Kirchbauverein gesammelten Beträge zunichte. Das Vermögen von ca. 100 000 Reichsmark wurde herabgesetzt auf 6500 Deutsche Mark. Dennoch konnte bald eine Pfarrerwohnung erworben werden. Obwohl noch um 1950 von Mülhofener Arbeitern ehrenamtlich ein provisorischer kleiner Glockenturm für die Notkirche gebaut wurde, suchte der Kirchenvorstand einen Bauplatz für eine neue Kirche.

    Gleichzeitig  liefen die Vorbereitungen für einen Kindergartenbau. Am 19. Oktober 1952 konnte dessen Grundsteinlegung gefeiert werden, am 16. Februar 1953 folgte bereits das Richtfest, und im gleichen Jahr, am 2. August 1953, konnte der neue Kindergarten in Betrieb genommen werden.

    1954/54 Bau der jetzigen Kirche

    Am 6. Dezember 1953 wurde die Grundsteinlegung für die Kirche feierlich begangen. Der Gedenkstein mit der Inschrift „Advent 1953“, die daran erinnert, wurde später neben dem Haupteingang eingemauert. Das Kirchengebäude erstand als Stahlbetonkonstruktion. Die Felder zwischen den Betonpfeilern und Riegeln wurden mit Bimssteinen ausgefacht. Am 28. Mai 1954 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, am 10. Juni das Richtfest gefeiert, und am 25. Juli erfolgte die Benediktion (Einsegnung) durch Pfarrer Scherer. (Wie dies allgemein üblich ist, erfolgte die feierliche Konsekration (Weihe) erst wesentlich später, und zwar am 15. März 1963, durch Weihbischof Dr. Bernhard Stein.)

    Wenige Wochen nach der Benediktion, am 16. August 1954, wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Sakristei und Turm wurden errichtet, und am 25. November 1954 läuteten zum ersten Mal die Glocken im 27 m hohen Turm.
    Seit Anfang 1966 hat die Kirche eine Lautsprecheranlage, seit 1971 die jetzige Orgel.

    Pfarrer Hermann Scherer erlitt 1971 einen Herzinfarkt; im März 1973 ging er in Ruhestand. Als sein Nachfolger wurde am 27. Mai 1973 Pfarrer Otto Stücklen eingeführt, der bald den ersten Pfarrgemeinderat von Mülhofen wählen ließ. Er starb nach nur 6-jähriger segensreicher Tätigkeit am 27. Juni 1979.

    Nun wurde P. Madauß, der Pfarrer von Sayn, Pfarrverwalter. Ihm ist es sicher zu verdanken, dass Mülhofen in Pater Ernst Postulka, Salesianer wie Pater Madauß selbst, noch einmal einen eigenen Pfarrer erhielt. Dieser wurde am 7. Dezember 1980 von Dechant Schneider, Bendorf, in einem feierlichen Hochamt in sein Amt eingeführt. Sehr ungern sah die Gemeinde ihn 1999 in den Ruhestand gehen. Es stand bereits fest, dass nun kein Ortspfarrer für Mülhofen mehr berufen werden würde. Pater Madauß musste erneut die Vertretung übernehmen. Seit 2002 stand ihm Monsignore Ursprung zur Seite, der im Pfarrhaus wohnte und einen großen Teil der Gottesdienste übernahm.

  • Der heilige Clemens Maria Hofbauer als Patron der Mülhofener Kirche

    Die Wahl des heiligen Clemens Maria Hofbauer als Kirchenpatron erfolgte auf Wunsch des Engerser Pfarrers Reinhold Krause (1920-50). Dieser war 1897 im Redemptoristenkloster Beauplateau/Ardennen (Bistum Namur/Belgien) zum Priester geweiht worden. Clemens Maria Hofbauer (1751-1820) war der erste deutschsprachige Redemptorist. Er leitete die Reform der Kirche in Österreich ein und gilt als der Apostel Wiens.  1911 wurde er heiliggesprochen.

  • Die Pfarrer von Mülhofen


    1941 bis 1947 Wilhelm Mohr (1914-1999)                    
    1947 bis 1973 Hermann Scherer (1911-1980)
    1973 bis 1979 Otto Stücklen (1912-1979)                   
    1980 bis 1999 Ernst Postulka (*1921)                         
    1999 bis 2004 Pater Willi Madauß (*1926)
    Apr. bis Sept. 2004Pater Dr. Joachim Hagel OPraem (*1961)
    Okt.- Dez. 2004      Eugen Vogt (Vertreter)                            
    Jan. - Sept. 2005 Frank Klupsch (kommissarisch) 
    Okt. 2005 bis Aug. 2012

    Pater Thomas Lüke OPraem (*1948)           

    Sept. 2012 - Jan. 2014Pater Norbert Maliekal OPraem (* 1962) seit Januar 2014 ist Pater Norbert Kooperator der Pfarreiengemeinschaft Bendorf
    seit Jan. 2014 Pfarrer Joachim Fey (* 1963)       
    Priester, die aus der Gemeinde hervorgingen:
    1962 wurde  Adolf  Mohr (+2016) zum Priester geweiht, der zuletzt als Pfarrer i.R. in Rheinböllen wohnte.
    2013

    Am 29. Juni wurde Andre Hahn aus Mülhofen in Linderberg/Allgäu zum Priester geweiht. Eine Woche danach feierte er seine Heimatprimiz. Es war nach 51 Jahren das erste Mal, dass in Mülhofen wieder ein Neupriester die erste heilige Messe an seinem Heimatort feiern konnte.
    Pater Andre Hahn ist Mitglied der Priesterbruderschaft St. Petrus und arbeitet jetzt in der Seelsorge in Saarlouis.